Nebenwirkungen von Psychotherapie

Wie bei fast allen Maßnahmen zur Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit sind auch im Bereich der Psychotherapie Nebenwirkungen auf den Patienten und auf sein Umfeld möglich und sollten beachtet werden.
Dies unterstreicht die Wichtigkeit, Psychotherapie nur nach gründlicher Anamnese und Diagnose behutsam anzuwenden.
Grundsätzlich positiv ist zu bewerten, daß gut geplante und richtig durchgeführte  pschotherapeutische Interventionen (z.B. bei psychosomatischen Störungen) oft die Notwendigkeit der Einnahme von Medikamenten reduzieren kann (= geringere Dosis) oder sie sogar schrittweise unnötig macht.

Folgende Nebenwirkungen bei Psychotherapie können unter anderem auftreten:

  1. Nach Beginn einerTherapie sind kurzzeitige Phasen der Syptomverschlechterung möglich und auch häufiger zu beobachten. Durch die Behandlung rückt die Störung stärker in den Fokus und erhält mehr Aufmerksamkeit.
    Phasen mit Selbstzweifeln oder Phasen der Selbstüberschätzung können auftreten. Heilprozesse bedürfen neben einer guten Therapie, einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zusätzlich auch Geduld und Ausdauer von Patient und Therapeut.
    Das wird manchmal nicht ausreichend bedacht.
  2. Soziale Beziehungen (Familie, Ehe, Partnerschaft, Freundschaften, Bekanntschaften) können sich durch die Behandlung zum Positiven aber auch zum Negativen verändern (bei „positiv / negativ “ hängt die Beurteilung natürlich auch von der Perspektive ab, aus der die Veränderung beurteilt wird. )
    Es ist zum Beispiel möglich oder sogar ein gewünschtes therapeutisches Ziel, daß sich ein zuvor eher ängstlicher und zurückgezogener Mensch stärker öffnet, seine eigenen Positionen besser äußert und mehr Initiative zeigt.
    Das kann für ein Familiengefüge, freundschaftliche Beziehungen oder den Bekanntenkreis durchaus zur Belastung werden.
  3. Die berufliche Situation kann sich zum Positiven oder auch Negativen (s.o. „positiv/negativ“) verändern.
    Es ist denkbar, daß berufliche Ziele im Verlauf der Behandlung (z.B. besonders bei Patienten mit Erschöpfungssyndrom) in neuen Licht erscheinen, neu überdacht werden und sich in der Folge verändern.
    Das kann dann für Außenstehende im Ergebnis wie ein „Karriereknick“ aussehen, wie ein bedauerlicher Rückschritt,  der vom Betroffenen selbst aber möglicherweise als eine heilsame Befreiung und längst überfällige Neuorientierung erlebt und empfunden wird. Und die körperliche sowie psychische Gesundheit des Betroffenen erheblich verbessert.
  4. Nicht zu vergessen: Psychotherapeutische Behandlung bedeutet eine finanzielle und zeitliche Belastung.
    Hier ist es unabdingbar vom Therapeuten nach Anamnese und Diagnose  eine klare und begründete Einschätzung von Dauer, Zeitaufwand und Kosten der Behandlung zu erhalten.
    Psychische Gesundheit darf aber kein Luxus sein. Und nicht jeder Patient möchte nach den Rahmenbedingungen der Sozialversicherungen behandelt werden und z.B. erhebliche Wartezeiten in Kauf nehmen.
    Nicht immer sind die von den Sozialversicherungen vertraglich vorgesehenen psychotherapeutischen Methoden (wie z.B. Psychoanalyse) auch die am besten geeigneten Vorgehensweisen für den Patienten.
    Für meine Patienten habe ich die Möglichkeit des „sozialen Honorars“ geschaffen zu Bedingungen, die eine notwendige und sinnvolle Therapie auch Menschen mit geringerem Einkommen ermöglicht.